Justus Steinfeldt

Justus Steinfeldt

Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Dresden, gehe auf das Gymnasium Dresden-Bühlau und singe seit 12 Jahren im Knabenchor Dresden.

Durch meine Sehbehinderung kam die Fotografie zu mir, als ich ungefähr 10 Jahre alt war. Es ging darum, in der Schule die Tafel abfotografieren und vergrößern zu können, um alles zu erkennen.

Vor vier Jahren habe ich mich auf die künstlerische Fotografie gestürzt. Dabei bin ich zuerst mit Bildbearbeitung in Kontakt gekommen und habe viel über Photoshop und Co. gelernt. Dafür habe ich viele Bücher gelesen, aber vor allem habe ich große Mengen an Videotrainings verschlungen (am Anfang vor allem bei www.video2brain.de).

Die Grundlage für die Bildbearbeitung ist ein gutes fotografisches Ausgangsmaterial. Ich habe mich immer weiter für die Entstehung von Bildern interessiert und mir vor dreieinhalb Jahren die Canon EOS 600D gekauft, mit der ich bis heute fotografiere. Gleichzeitig entwickelte ich viel Interesse an der Bildgestaltung. Über die Zeit haben sich für mich Landschaften, und später Architektur als Motiv herauskristallisiert.

Inspirationen finde ich auch bei vielen anderen Fotografen. Hier eine kleine Auswahl: Marc Adamus, Tobias Richter, Nagesh Mahadev, Mark Metternich, Daniel Korzhonov, Martin Rak, Erez Marom, Zack Schnepf, Ansel Adams.

Jeder, der mehr über mich erfahren will, ist herzlich dazu eingeladen, auf meiner Facebookseite vorbei zu schauen. Unter anderem wirst du dort über die aktuellsten Bilder und Projekte informiert. Eine detailreiche Präsentation meiner neusten Bilder kannst du auch auf 1x.com genießen.

Anders sehen

Kurz nach meiner Geburt wurde bei mir Grauer Star diagnostiziert. Das heißt, dass meine Augenlinsen auf beiden Seiten trüb waren. Diese wurden operativ entfernt, als ich 2,5 Monate alt war. Deshalb bekam ich schon im ersten Lebensjahr Kontaktlinsen und viele andere Hilfsmittel. Vor allem in meinen ersten Lebensjahren ging es darum, mir das Sehen beizubringen. Normale Babys lernen in den ersten Monaten das Sehen. Ich konnte in der wichtigsten Phase nicht sehen lernen und musste davon möglichst viel nachholen. Hier will ich mich sehr bei meinen Eltern, meinem Großvater und meinen Frühförderern bedanken, die mir die Freude am Sehen nahe brachten und mich sehr unterstützt haben!

Mit Kontaktlinsen sehe ich jetzt auf dem besseren Auge mit einer Sehschärfe von etwa 20% (Visus = 0.2 -> ich muss 5x so nah heran gehen). Außerdem kann ich nur mit einem Auge gleichzeitig schauen, weshalb ich zweidimensional sehe. Mit der Sehschwäche ist auch ein Nystagmus verbunden (Zittern der Augen). Mein Blickfeld wird vom Gehirn jedoch so stabilisiert, dass ich wackelfrei sehe. Ich nutze Hilfsmittel und Vergrößerungen, um möglichst viel erkennen zu können. Schnell angestrengt bin ich, wenn ich kleine Dinge entziffern muss.

Das erscheint vielen wahrscheinlich als eine große Einschränkung und ist es eigentlich auch. Ich sehe jedoch schon mein Leben lang auf diese Art und komme damit ganz gut zurecht. Ich gehe in die Schule und kann dort durch die besondere Unterstützung meiner Lehrer mit meinen normal sehenden Freunden lernen. Meine Mitschriften schreibe ich auf dem Computer, wodurch ich auf den besonders schnellen Umgang mit ihm geschult bin. Dort findet sich auch die Fotografie wieder: Ich habe immer eine Kamera dabei, um die Tafel zu digitalisieren. Auch Photoshop kommt in der Schule zum Einsatz, wenn ich schnell Skizzen zu Sachverhalten erstellen muss.

 

Das klingt eigentlich ziemlich schlimm. Dabei will ich ausdrücklich betonen, dass ich unter meiner Behinderung NICHT leide und sehr glücklich lebe, obwohl mich meine Sehbehinderung natürlich prägt. Sie verändert sicher meine Sichtweise auf die Umgebung und beeinflusst damit die Entstehung meiner Fotos entscheidend – ANDERS sehen ;)

Kameratechnik

September 2015 wechselte ich auf Vollformat-Technik in Form der Sony Alpha 7r. Meine Objektive reichen von 14 bis 600mm. Mit 36 Megapixeln fange ich auch die kleinsten Details ein und extrem große Drucke werden so besonders gut möglich. Um die bestmögliche Qualität bieten zu können fotografiere ich ausschließlich von einem stabilen Stativ. Zusätzlich kommt ein Fernauslöser zum Einsatz, um Verwacklungen zu vermeiden. Oft nutze ich Polarisations- und selten auch Graufilter bis zu 10 Blenden Abdunkelung. Panoramen nehme ich besonders gerne mit einem Shift-Objektiv auf, woraus ein besonders hoher Detailreichtum resultiert. Wenn ich andere Objektive für Panoramen nutze verwende ich einen Nodalpunktadapter, um die aus mehreren Einzelbildern gestitchten Panoramen gut überblenden zu können. Bei der Aufnahme verwende ich zusätzlich eine Bildschirmlupe, um den Fokuspunkt akkurat setzen zu können. Vor September 2015 entstanden meine Bilder mit einer DSLR-Kamera mit APS-C – Sensor.

Meine Bilder organisiere ich in Adobe Lightroom und für die Bearbeitung nutze ich größtenteils Adobe Photoshop. Die typische Bearbeitung eines meiner Bilder kannst du dir im Zeitraffer hier oder in diesem Video anschauen. In vielen Fotos, bei denen der Vordergrund sehr nahe ist, bediene ich mich dem "Focus Staccing". Dadurch werden die schon scharfen Fotos noch etwas schärfer. Alle Situationen habe ich so erlebt, wie ich sie im Foto festgehalten habe! Die zu einem Foto überblendeten Belichtungen wurden alle an dem exakt gleichen Position zu einer annähernd gleichen Zeit aufgenommen.