Justus Steinfeldt
1997 bin ich in Dresden geboren. 
Die Fotografie kam durch meine Sehbehinderung zu mir, denn als Hilfsmittel im Unterricht war ich auf meine Kamera angewiesen, um die Tafel abfotografieren und vergrößern zu können. 
Daraus entwickelte sich seit 2010 mein Interesse an der künstlerischen Fotografie, das ich in den darauffolgenden Jahren vertiefte.
Deshalb bin ich dankbar, 2019 im Mediendesign ein Duales Studium beginnen zu können. 
Neben der Fotografie singe ich leidenschaftlich gern. 
---
1997 I was born in Dresden, Germany.
Through my visual disability I always had a camera with me to enlarge details in my surrounding while photographing it.
Thereby my interest in artistic photography and design grew since 2010.
Because ot that I'm thankful to get started with an integrated degree program in media design in 2019.
Beside taking photos I love to sing as well as baking and cooking.

Anders sehen
Kurz nach meiner Geburt wurde bei mir Grauer Star diagnostiziert. Das heißt, dass meine Augenlinsen auf beiden Seiten trüb waren. Diese wurden operativ entfernt, als ich 2,5 Monate alt war. Deshalb bekam ich schon im ersten Lebensjahr Kontaktlinsen und viele andere Hilfsmittel. Vor allem in meinen ersten Lebensjahren ging es darum, mir das Sehen beizubringen. Gesunde Babys lernen in den ersten Monaten das Sehen. Ich konnte in der wichtigsten Phase nicht sehen lernen und musste davon möglichst viel nachholen. Hier will ich mich sehr bei meinen Eltern, meinem Großvater und meinen Frühförderern bedanken, die mir die Freude am Sehen nahe brachten und mich sehr unterstützt haben!
Mit Kontaktlinsen sehe ich jetzt auf dem besseren Auge mit einer Sehschärfe von etwa 20% (Visus = 0.2 -> ich muss 5x so nah heran gehen). Außerdem kann ich nur mit einem Auge gleichzeitig schauen, weshalb ich zweidimensional sehe. Mit der Sehschwäche ist auch ein Nystagmus verbunden (Zittern der Augen). Mein Blickfeld wird vom Gehirn jedoch so stabilisiert, dass ich wackelfrei sehe. Ich nutze Hilfsmittel und Vergrößerungen, um möglichst viel erkennen zu können. Schnell angestrengt bin ich, wenn ich kleine Dinge entziffern muss.
Das erscheint vielen wahrscheinlich als eine große Einschränkung und ist es eigentlich auch. Ich sehe jedoch schon mein Leben lang auf diese Art und komme damit ganz gut zurecht. Ich bin auf eine Regelschule gegangen und konnte dort durch die besondere Unterstützung meiner Lehrer mit meinen normal sehenden Freunden lernen. Meine Mitschriften habe ich auf dem Computer geschrieben, wodurch ich auf den besonders schnellen Umgang mit ihm geschult bin. Dort fand sich auch die Fotografie wieder: Ich hatte immer eine Kamera dabei, um die Tafel zu digitalisieren. Auch Photoshop kam in der Schule zum Einsatz, wenn ich schnell Skizzen zu Sachverhalten erstellen muss.

Das klingt eigentlich ziemlich schlimm. Dabei will ich ausdrücklich betonen, dass ich unter meiner Behinderung NICHT leide und sehr glücklich lebe, obwohl mich meine Sehbehinderung natürlich prägt. Sie verändert sicher meine Sichtweise auf die Umgebung und beeinflusst damit die Entstehung meiner Fotos entscheidend – anders sehen. 

---

Seeing Differently 
Shortly after my birth I got the diagnose of cataract what means both of my eye lenses were blurred. In the age of 10 weeks my lenses were surgically removed so in my first year on earth I used tools like contact lenses and glasses. Mostly in my first year of life I was teached to see by catching my interest in the visual world. Healthy children learn the first months to see—in that time period I could not learn to see so I had to catch up on that as good as possible. Here I want to thank my parents, grandparents and early interventionists who made seeing joyfull and assist me!
Nowadays I am able to see with a sharpness of about 20% with contact lenses on my sharper eye. That means I have to come five times closer to get the same amount of details (while getting a closer frame). Altough I only can see with one eye at the same time—the reason I see two dimensional. With my visual impairment there occurs the so-called nystagmus (shaking eyes) but the image I see is stabilised by my brain. I use assistive equipment and enlargements to spot as much as possible. If I have to make out small details I am stressed quite fast. 
Probably many would think this is a huge limitation and in fact it is. But I have got this visual disability for my hole life yet and it is manageable. I could go to a regular school and could finish my A-level with the support of my teachers and normal seeing friends. I took my notes digitally so I am trained to use my computer very fast. Even there photography was included by taking images from the board. I used Photoshop to create quick sketches if needed. 

Actually that sounds very bad but I want to emphasize I do not suffer my disability and have a very happy life—even though my visual handicap shapes me. So my surrounding's reception alters with my different perception and my photographs are influenced by that—seeing differently. 
Back to Top